Trauer bei Kindern und Jugendlichen

Es ist natürlich, dass Eltern vor allem sehr junge Kinder vor bedrückenden Erlebnissen bewahren möchten. Trotzdem möchten wir Sie ermutigen, die Geschwisterkinder möglichst unmittelbar in die Geschehnisse nach dem Tod des Bruder oder der Schwester mit einzubeziehen.

Viele Menschen glauben immer noch, dass es für Kinder gut ist, wenn sie ihre eigene Trauer und Sorgen vor den Kindern verborgen halten. Auch sehr junge Kinder spüren dies jedoch intuitiv und es kann zu großer Verwirrung führen, wenn sie den Grund für ihre Empfindungen nicht richtig einordnen können. Selbstzweifel und Angst können die Folgen sein sowie die Sorge, dass sie selbst vielleicht Schuld an der Traurigkeit der Eltern oder gar am Tod des Bruders oder der Schwester haben.

Dagegen kann es eine sehr verbindende und emotional stärkende Erfahrung für Kinder sein, wenn Sie sich mit einbezogen fühlen.
Vor allem, wenn Ihr Kind plötzlich gestorben ist, kann es für die Geschwisterkinder hilfreich sein, den Bruder oder die Schwester im Sarg anzuschauen. Denn was für Erwachsene gilt, gilt für Kinder um so mehr: sie begreifen mit allen Sinnen.
Vielleicht bestärken Sie die Geschwister, ein Bild für das verstorbene Kind zu malen oder ihm ein Spielzeug in den Sarg zu legen? Fragen Sie Ihren Bestatter - er hat Erfahrung im Umgang mit trauernden Kindern und bietet evtl. an, zusammen mit den Kindern den Sarg zu bemalen.
Es spricht nichts dagegen, wenn auch jüngere Kinder mit zur Beerdigung gehen.
Gerade jüngere Kinder werden bei der Beerdigung vielleicht Fragen stellen und Bemerkungen machen, die den Erwachsenen unpassend erscheinen. Wenn Sie sich nicht in der Lage sehen, bei der Beerdigung auf die Geschwisterkinder zu achten, könnten entfernte Angehörige, Freunde oder z.B. die Erzieherin aus der Kita Sie hierbei vielleicht entlasten.

Wenn die Geschwister eine Kita oder Schule besuchen, empfiehlt es sich, die Erzieher und Lehrer möglichst früh über die familiäre Situation zu informieren. Viele trauernde Geschwister empfinden es jedoch als hilfreich, dass in Kita und Schule 'alles so wie immer' ist und man sie dort möglichst wenig auf den Trauerfall anspricht. Aber dies ist natürlich nicht allgemeingültig, denn jeder trauert anders - dies gilt ganz besonders für trauernde Kinder.

Wenn Sie unsicher sind, was für Ihre Kinder gut und richtig ist, vertrauen Sie bitte auf Ihre eigene Erfahrung und Intuition. Niemand kennt Ihre Kinder so gut wie Sie selbst. Überschätzen Sie andererseits in dieser extremen Krisensituation aber auch nicht Ihre Kräfte.
Das eine Kind zeigt seine Trauer vielleicht durch extreme Verschlossenheit, das andere durch besonders provozierdendes Verhalten. Manche Kinder werden fast 'unsichtbar' und versuchen, ihre erschütterten Eltern durch ihr sehr angepasstes Verhalten zu schützen. Je nach Alter des Kindes ist es für die Eltern schwer zu deuten, ob Verhaltensauffälligkeiten tatsächlich im Zusammenhang mit dem Tod des Bruders/ der Schwesters zu sehen sind.
Auf beiden Seiten - Kinder wie Eltern- kann sich große Verunsicherung breit machen. Was ist in dieser familiären Extremsituation gut und richtig, was ist 'erlaubt'? Wie viel Rücksichtnahme ist angebracht?